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Review: Mia Morgan – Gruftpop

Viel wurde in den letzten Monaten über Mia Morgan, die wie ich aus Kassel kommt, geschrieben und gesagt. Vertreter_innen der besseren Popmusik wie Drangsal, die Leoniden oder Rapper Casper wurden auf sie aufmerksam und holten sie in ihr Vorprogramm. Ich durfte bisher mit ihr auf mehreren meiner Veranstaltungen zusammen arbeiten, wo sie entweder als Autorin oder DJane auftrat und sich über die Jahre auch in der lokalen LGBT-Szene einen guten Ruf als starke Unterstützerin der Community verdient hat und auch sonst über ihre sozialen Medien kein Blatt vor den Mund zu unbequemen Themen wie körperlicher Selbstbestimmung, Sexismus, Rassismus und ähnlicher Kackscheiße nimmt. Letztes Jahr dann die Demo zu “Waveboy” und im Winter folgte die erste professionell produzierte Single “Es geht dir gut”. Von Kassel aus bekam ich trotz persönlicher Bekanntschaft nicht mit, welcher Hype sich mittlerweile um Mia Morgan gebildet hat und war nahezu überrumpelt, als ich beim Drangsal-Konzert im Kasseler Unten, wo sie als Support-Act spielte, live erlebte welche Wirkung sie und ihre Songs auf das Publikum hatten und das die Fans selbst ihre unbekannten Nummern lauthals mitsangen und Mia auf der Bühne von der herzlichen Kunststudentin zu einer Art deutschsprachigen Mini-Madonna wurde.

Nun steht also die erste EP an, welche ihr über Krasser Stoff als CD kaufen oder über Spotify streamen könnt.

Orgel-Klänge leiten die EP ein, gefolgt von Synthie-Sound und Drums und man fühlt sich sofort wie in der nächsten Goth-Disco. Dann setzt ihre Stimme ein und man kann ihrem wütenden Text über unerfüllte Liebe lauschen. Der Name “Gruftpop” ist im Opener “Valentinstag” schon mal Programm. Für den Refrain hätten vor 30 Jahren vermutlich einige NDW-Bands gemordet, denn er geht sofort ins Ohr und bleibt dort. Guter Start.

Als nächstes folgt die bekannte Single “Es geht dir gut”, bei der das Instrumental leichte Erinnerungen an “See You” von Depeche Mode weckt, welche aber ab dem Einsatz des Gesanges verschwinden und der Song entwickelt sich zur emotionalen 80s-Pop-Perle. Wäre “Es geht dir gut” einige Jahrzehnte früher erschienen, die Spitze der Charts würde wohl winken.

“Immer, immer, immer” beginnt Electro-poppig und schneller Gesang der Marke Ideal/Nina Hagen treibt die Nummer gut nach vorne, bis der poppige Refrain sich sogar mit Sprechgesangs-Passagen abwechselt und zur eigenen Mia-Nummer aufschwingt.

Mit “Gothgirl” folgt mein persönliches Highlight der EP. Ich habe sofort eine Queer-Party vor Augen und Drag Queens die den Song lipsyncen. Danke für diesen Song. Perfekter Mix aus Electro, Pop, Camp und Drama.

Den Abschluss bilden “Waveboy” sowie dessen bekannte Demo-Version. Über diesen Song wurde schon viel geschrieben und vermutlich noch mehr dazu getanzt. Die neu produzierte Version tut dem Song gut und entstaubt das Demo, welches ich im letzten Jahr auch einfach zu oft hörte, da dieser Song gefühlt überall lief, von der Queer-Party bis zu einigen Räumen in der Uni. Ein Sommerhit halt. Auch schön, dass Mia die EP mit dieser leichten Gitarren-Nummer abschließt.

 

Die limitierte CD bekommt hier für 8 schlanke Taler hier:

https://krasserstoff.com/item/110544/